4gang

29/11/2009

Paradigmenwechsel bei der Reifenwahl

Filed under: Auto — 4gang @ 13:04
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Der Denkanstoß kam beim letzten Reifenwechsel:

Ende Oktober – erste kalte Tage – vielleicht sogar Reifglätte oder Eis in einer schattigen Kurve. Der richtige Zeitpunkt, die Sommerreifen gegen die Winterreifen auszutauschen.
Also Termin bei meinem Reifenhändler (ich habe dort die anderen Reifen gelagert) und Reifen wechseln.

Summa summarum – ein Akt von einer Stunde: Hinfahren, Kaffee trinken, 30 Euro zahlen, heimfahren – alles erledigt.
Der Winter kann kommen – alles super, alles ok.

Wirklich alles super, alles ok ? Auf den ersten Blick schon ! Räder kontrolliert – neu ausgewuchtet – Sommerreifen eingelagert.

Die Ernüchterung kam beim Blick unter den Wagen (leider erst einige Tage später): Die Verbindungsnaht an beiden vorderen Seitenschwellern war grausam verdrückt. Während ich im Büro des Händlers wartete und Kaffee schlürfte, wurde mein Wagen ohne passende Auflage in die Höhe gewuchtet. Die Zeit, die richtige Auflage zu suchen war wohl nicht im Preis inbegriffen.

Solche Verletzungen am Unterboden sind im höchsten Maße ärgerlich: Durch die verdrückte Schweißnaht können Wasser, Salz und Dreck in die Innenseite eindringen und zum Durchrosten der tragenden Teile führen. Der Gutachter schätzte die Kosten für eine fachgerechte Instandsetzung auf etwa 1000 Euro.

Der Ärger ist natürlich riesig !

Wie kann man das am besten vermeiden ?

Eine Möglichkeit ist – ständig neben dem Wagen zu warten – und wenn dann der ausführende Mechaniker kommt, mit Argusaugen darüber wachen, daß er ja die richtige Ansetzstelle auswählt, daß er ja einen Gummipuffer unterlegt – und sofort “Halt !“ schreien, wenn nicht. Allerdings – beiderseits eventuell ganz schön nervig.

Eine andere ist – eine Werkstatt zu finden, die von vornherein alles richtig macht und mit der maximalen Schonung an das Auto herangeht. Nur – wie finden ? Außerdem – geht’s dann meistens in’s Geld. Und – wer bietet die Gewähr, daß nicht auch in der guten Werkstatt ein Lehrling die Geschichte vermasselt.

Da stellt sich die Frage: Wie sinnvoll ist ein Reifenwechsel für einen normalen Autofahrer überhaupt ?

Wenn man das ganze Jahr den selben Reifen fährt, spart man sich jedes Jahr zwei Wechsel. Geht man von einer Lebensdauer etwa zwischen 30000 und 60000 km aus – je nach Fabrikat und Fahrprofil – verlängert sich die Periode ohne Wechsel auf etwa 2-4 Jahre – je nach Kilometerleistung. Die Möglichkeit für einen verpfuschten Reifenwechsel reduziert sich so auf ein Viertel bis ein Achtel im Vergleich zum Wechsel im Herbst und im Frühling.

Welcher Reifen-Typ ?

Für die meisten Stadtbewohner in flachen Gefilden scheint die Antwort auf die Frage nach dem optimalen Reifen-Typ zunächst klar:

Sommerreifen

Sommerreifen passen im Flachland etwa zu 80% des Jahres optimal auf die Gegebenheiten. Für die wenigen Tage mit Glätte oder sogar Schnee, muß man eben entsprechend vorsichtig fahren oder das Auto ganz stehen lassen.

Viele Fahrer kennen diese Option noch recht gut aus ihrer Anfangszeit mit wenig Geld und billigen, alten Autos. Speziell mit Frontantrieb war sogar auf schneebedeckter Fahrbahn ein passables Fortkommen möglich.

Doch inzwischen droht Ärger, wenn man mit “unpassenden“ Reifen unterwegs ist

http://www.focus.de/auto/ratgeber/sicherheit/reifen/vorschriften/tid-7920/winterreifen_aid_138458.html

Neben dem Bußgeld, sind vor allem versicherungsrechtliche Probleme zu befürchten:

Die Kasko-Versicherung könnte u.U. die Zahlung des Schadens, mit Verweis auf die falschen Reifen, verweigern.

Ein Überblick zu den Regelungen im Ausland findet sich hier :  Winterreifen-Regelungen im Ausland

Die Konsequenz – der Paradigmenwechsel

Der Reifen der Wahl ist nicht mehr der Sommerreifen sondern der Winterreifen (oder Ganzjahresreifen mit Winterkennzeichen)
Mit einem Winterreifen ist man immer richtig bereift für plötzliche Glätte in der Nacht oder bei überraschenden Schneefällen oder Wintereinbrüchen mit Winterreifenpflicht auf der Rückfahrt durch die Alpen.

Kleine Nachteile bei guten Bedingungen (Sonne, Hitze, Trockenheit, griffige Fahrbahn) werden mehr als ausgeglichen
durch die Vorteile bei schlechten Bedingungen (Kälte, Nässe, glatte Fahrbahn). Bei trockener Fahrbahn und schönem Wetter bestehen im Normalfall mehr als ausreichend Reserven – kleine Abstriche kommen hier überhaupt nicht zum Tragen.

Im übrigen sind die Zeiten mit Wettrennen auf der Autobahn und auf der letzten Rille durch die Kurven quietschen, angesichts von horrenden Benzinpreisen und  der Notwendigkeit zur CO2-Einsparung längst out und vorbei. Hochgeschwindigkeitstaugliche  Sommer-Spezialschlappen –  sinnlose Relikte aus jener Zeit.

Eventuelle Nachteile bei der Lebensdauer werden durch die eingesparten Wechsel-Kosten mehr als wettgemacht – von der eingesparten Zeit und dem eingesparten Ärger ganz zu schweigen. Höherer Rollwiderstand läßt sich durch höheren Reifendruck weitgehend ausgleichen.

Alle wichtigen Punkte  in der Übersicht:

– Passende Bereifung bei Wintereinbruch (Bußgeld, Versicherung)
– Passende Bereifung für Alpenpässe (mit M+S)
– Oft bessere Aquaplaning-Eigenschaften als Sommereifen
– Prinzipiell gute Nässeeigenschaften
– Vermeiden von Reifenwechsel spart Zeit, Geld, Schäden am Auto, Ärger (2 mal pro Jahr)
– Schlechtere Trockeneigenschaften sind bei normaler Fahrweise völlig unerheblich
– Auf Winterreifen mit hoher Laufleistung und geringem Rollwiderstand achten
– Auf geringes Abrollgeräusch achten

Hier ein paar Kandidaten mit geringem Verschleiß (und ansonsten brauchbaren Eigenschaften) :

Michelin Primacy Alpin PA3

Continental WinterContact TS830

Dunlop SP Wintersport 3D

ESA-TECAR Super Grip 7

Nokian WRg2

Yokohama W.drive

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